Zum 90. Geburtstag von Manfred Riechert
„Es wäre nicht so schlimm, wenn alle so werden wie ich!“ Na ja, darüber kann man wohl streiten. Diesen Wunsch jedenfalls artikulierte TV Mengedes „Oldtimer“ Manfred Riechert selbstbewusst auf seiner Brust, als er vor fast zwei Jahren für die Doc-Esser-Reportage mit dem Titel „Ich will hundert werden“ ausgewählt wurde. Dem ARD-Publikum sollte in dieser Dokumentation dargeboten werden, wie man ein dreistelliges Lebensalter erreichen kann.
Am 05 Oktober feiert Manfred Riechert nun seinen neunzigsten Geburtstag, zu dem wir an dieser Stelle herzlich gratulieren. Seinem Ziel (siehe oben) ist nun um zehn Jahre nähergekommen. Und das immer noch mit einer Disziplin und einem Arbeitspensum, auf das nachfolgend näher eingegangen wird.
Gewöhnlich betont man bei einem Jubilar zum Neunzigsten, er sei für sein Alter noch ganz rüstig. Das frank und frei zu behaupten, wäre für Manfred Riechert fast eine Beleidigung. Er nimmt es noch heute bei der Gymnastik mit vielen Jüngeren auf.
Sport in jeder Fassion war für Manfred Riechert eine Klammer, die maßgeblich seine Freizeit-Aktivitäten umfasste. Bei Borussia Dortmund erlernte er das Handballspielen. Nach einem Dienst- und Wohnortwechsel in den Dortmunder Nordwesten Schloss er sich dem TV Mengede an und verstärkte dort die von Klaus Neuvians trainierte und im Aufbau befindliche Handballmannschaft (damals überwiegend noch Feldhandball). Als Abwehrspieler konnte man ihn dort gut gebrauchen! Und nicht nur als aktiver Handballer, sondern nach seiner späteren Qualifizierung auch als Übungsleiter, wurde er für den Verein unverzichtbar.
Mit dem Heranwachsen seines Sohnes Dirk (natürlich auch Handballer) startete er eine erfolgreiche Trainerkarriere, die bis heute noch Bestand hat. Nur inzwischen in anderen Sportarten. Heute ist das die Gruppe „Sport für Männer ab 50 Jahre“, die sich jeden Dienstag in der Turnhalle der Jeanette-Wolff-Schule trifft und eine gemischte Gruppe mit der Bezeichnung „Volleyball seniorengerecht“, die freitags in der Turnhalle der Schopenhauer Grundschule versucht, einen Nivea-Ball über das Netz zu zirkeln.
Aber auch für seine persönliche Fitness nutzte und nutzt er jede freie Minute. In früheren Jahren waren es die täglichen Dauerläufe durch die reichlich vorhandenen heimischen Grünzonen – sogar der Eichelhäher „als Polizist des Waldes“, so vermutet man, erkannte ihn und ersparte sich seinen Warnruf. Und noch heute gehört sein anspruchsvolles Kraft- und Ausdauertraining in seiner „Muckibude“ im heimischen Keller zum selbstverordneten Pflichtproramm.
Die Rasenpflege in seinem fast 2000 m² großen Garten versucht er ohne fremde Hilfe zu bewältigen. Allein ein Marsch von der Straßenkante bis zur hinteren Grundstücksecke beträgt rund 70 Meter. Für viele seiner Altersgenossen also die Strecke eines Morgenspaziergangs! Dazu Holzhacken, für den Kamin seines Gartenhauses. Man will es ja warm haben, wenn er im Schwarz-Gelben Trikot gemeinsam mit seinen Nachbarn die Übertragung der Bundesligaspiele seines Lieblingsvereins BVB seziert, genießt aber auch kritisiert, oder wenn er mit Freund Georg an gleicher Stelle eine (oder mehrere) Schachpartie(n) bestreitet.
Ja, das Schachspiel, dem er sich regelmäßig in der städt. Begegnungsstätte an der Bürenstraße widmet, ist sein Hobby und gleichzeitig ein Training und eine Pflege seiner Gehirnwindungen. Hier hat er bereits als Anführer viele Senioren für das königliche Spiel begeistern können und inzwischen eine Fertigkeit entwickelt, mit der er kaum Konkurrenten zu fürchten braucht.
Ein weiteres Steckenpferd von Manfred Riechert ist die Musik, die er sich über Jahrzehnte auf Vinyl ins Haus geholt hat. Seine Schallplatten-Sammlung ist legendär und penibel archiviert.
Auch die Sozialdemokraten in Bodelschwingh profitieren noch gern von seinem Rat und seiner Lebensweisheit. In deren Vorstandssitzungen ist er noch immer ein gern gesehener Gast.
Bei seinem anspruchsvollen Wochenprogramm hätte er sicher nichts dagegen einzuwenden, wenn als Geburtstagsgeschenk eine göttliche Fügung bewirken würde, für die Drehung der Erdkugel um sich selbst 26 statt 24 Stunden anzusetzen. Zwei Stunden pro Tag mehr für seine Hobbys und selbst auferlegten Pflichten, das wäre doch was! Aber wer weiß, welche Aufgaben ihm dann wieder in den Sinn kämen.
Das bestätigt auch seine Aussage, die er zum Ende der Doc-Esser-Produktion in die Kamera formulierte: “Ich habe es gar nicht mehr so weit bis ich Hundert bin. Und ich bin sogar überzeugt, wenn ich mich dann so gut fühle wie heute, dass ich dann sage, ich möchte auch Hundertzehn werden!“




